19.08.2008
Kategorie: Theater-AG, Startseite
Von: Klaudia Gilcher von "Die Rheinpfalz"

Mit stürmischem Drang und Esprit

Theatergruppe des Gymnasiums Kusel inszeniert „Arsen und Spitzenhäubchen“. Ein Bericht aus der "Rheinpfalz".


Es gibt Theaterabende, die sind perfekt – und gleichzeitig sterbenslangweilig. Und es gibt solche, von denen man gar nicht genug bekommen kann, obwohl einiges schief geht. So einer war der Samstagabend: Der Kellerklan, die Theatergruppe des Kuseler Gymnasiums, begeisterte in der Fritz-Wunderlich-Halle mit einer stürmischen Umsetzung von „Arsen und Spitzenhäubchen“.

Tja, liebes Publikum, wären Sie mal dagewesen. Ein paar freie Plätze gab es ja noch. Dann hätten sie die kurzweilige Komödie selbst erleben können und wären jetzt nicht auf Worte angewiesen. Sie hätten sich zum Beispiel an den Leiden eines bedauernswerten Theaterkritikers ergötzen können. So einer nämlich hat in Arsen und Spitzenhäubchen einiges auszuhalten – nicht nur, weil seine liebenswert schrulligen Tanten im Keller einen Club der toten Mieter eröffnet haben und sein Bruder ihn in einer wahrhaft bühnenreifen Inszenierung umbringen will. Es ist schlimmer: Der gefürchtete Kritiker stirbt symbolisch jeden Abend, denn er hasst die Bretter, die die Welt bedeuten. So löst er sein Dilemma, indem er seine Bewertungen auch schon mal auf dem Weg zur Aufführung schreibt – ein cleverer
Einfall des Autors, aber leider nicht realitätstauglich.

Wo also soll einer anfangen, der das Theater nicht hasst und den Abend
auch noch tatsächlich genossen hat? Bei den Helfern im Hintergrund, die
die Kostüme, das Make-Up und die Kulisse so gut hinbekommen haben, dass
Oberstufenschülerinnen tatsächlich wie schrullige ältere Damen aussahen? Bei den einzelnen Darstellern, der glücklichen Stück–Auswahl, der Geistesgegenwart, mit der die junge Truppe kleinere Hänger auffing? Oder doch bei der mangelnden Distanz innerhalb der Gruppe, die die Darsteller immer wieder über die Leistung ihrer Kollegen lachen ließ und statt unprofessionell zu wirken den tiefschwarzen Humor des Stücks noch um eine große Portion Charme ergänzte? Oder bei der Regie von Doris Eicher, die ihren quirligen Kellerklan ins Gleichgewicht von darstellerischer Freiheit und geordnetem Bühnenablauf einpendelte? Bei der sprühenden Spielfreude, der selbst in Details spürbaren Kreativität, den vielen Funken, die die Schüler nach einer Woche intensiver Proben überspringen ließen?
Nein, verehrtes Publikum, man kann nichts und niemanden hervorheben. Alle fast 40 an der Aufführung Beteiligten haben ihre Rolle ausgefüllt, gleich ob sie groß oder klein war.

Sie haben sich im wahrsten Wortsinn warm gespielt und nach der Pause gehalten, was einige Zwischenhochs vor dem Pausenvorhang schon versprachen: ein furioses Finale.

Natürlich gab es im unterm Strich strahlenden Bühnenlicht Schatten: Der Kellerklan hat, wie manch Profitruppe auch, mit der Akustik der Halle gekämpft. Einige Zuschauer wanderten in der zweiten Hälfte deshalb vom Rang in die vorderen Reihen. Außerdem könnte in der kommenden Spielzeit auch die eine oder andere zu häufig benutzte, ja abgenutzte Geste überdacht werden. Viel mehr könnte aber selbst unser Theater hassender Kritiker nicht anführen.

Fazit: Dass eine Schultheateraufführung Eltern, Lehrern und Freunden gefällt, ist üblich. Wenn sie aber auch Zuschauer begeistert, die nichts mit der Schule und den Akteuren zu tun haben, dann kann die Truppe wahrlich stolz sein. So wie der Kuseler Kellerklan mit seiner Bearbeitung von Arsen und Spitzenhäubchen am Samstagabend. Vorhang und Schlussapplaus.

Die Rheinpfalz, 19.8.2008