26.11.2018
Kategorie: Geschichte, Startseite
Von: Josefine Katins, Anja Kaindl/eingestellt von S. Jaqui

„Gegen das Vergessen unbesungener Helden – Emilie und Oskar Schindler“


„Ich hatte mir ein Zeitzeugengespräch immer ganz anders vorgestellt: Eine alte Person sitzt vor den Zuhörern und erzählt bedächtig und leise von längst vergangenen Zeiten. Umso überraschter war ich von der herzlichen und offenen Frau Professor Erika Rosenberg, die mit Hingabe, Aufgeschlossenheit und mit angemessenem Humor ihr Publikum mit auf eine Reise in die Zeit des Nationalsozialismus nahm. Bei ihren Ausführungen standen Oskar und Emilie Schindler im Mittelpunkt und nicht sie selbst. Immer wieder forderte sie ihre Zuhörer dazu auf, nachzufragen, was aufgrund ihrer sympathischen Art gerne in Anspruch genommen wurde. An den Vortrag anschließend gab es Raum für Gespräche und Gedanken, was zumindest mich die Veranstaltung mit einem guten Gefühl verlassen ließ.“

Josefine Katins

Frau Professor Erika Rosenberg, eine Zeitzeugin der zweiten Generation, hielt am Montag, 22.10.2018 sowie am Dienstag, 23.10.2018 drei Vorträge an unserer Schule und vermittelte unseren Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufen 12 und 13 sowie auch in der Abendveranstaltung einem öffentlichen Publikum einen Einblick in das Leben und Wirken von Emilie und Oskar Schindler.

Sie selbst wurde als Tochter deutscher Juden in Buenos Aires geboren, wo sie 1990 Emilie Schindler kennenlernte, mit der sie bis zu deren Tod 2001 eine innige Freundschaft verband.

Mit anschaulichem Bildmaterial und gestützt auf Auszüge aus ihrer Biografie „Ich- Emilie Schindler“ informierte Frau Professor Rosenberg ihre Zuhörer über die Herkunft und Beziehung der Schindlers, sowie deren Handeln in der Zeit des Nationalsozialismus, mit dem sie 1200 Menschen vor der Gaskammer retteten.

Oskar Schindler, ein deutscher Unternehmer und NSDAP-Mitglied, errichtete nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen in Krakau eine Emaillewaren-Fabrik, in der er jüdische Zwangsarbeiter aus dem Arbeitslager in Plaszow beschäftigte.

Die Schikanen, denen die Juden im Arbeitslager Plaszow ausgesetzt waren, wurden insbesondere an der Person des dortigen Lagerkommandanten Amon Goeth illustriert. Bei den Schilderungen seines willkürlichen Mordens, wie zum Beispiel seiner morgendlichen Schießübungen auf die jüdischen Häftlinge, war insbesondere bei den Schülerinnen und Schülern eine tiefe Betroffenheit zu erkennen.

Was passiert mit einem Menschen wie Amon Goeth nach dem Krieg? Diese Frage wurde in allen drei Vorträgen gestellt. Frau Professor Rosenberg informierte ihre Zuhörer über die Rattenlinie, die Fluchtroute führender NS-Verbrecher nach dem II. Weltkrieg und den letztlich gescheiterten Fluchtversuch Amon Goeths.

Nachdem im August 1944 in Berlin der Beschluss gefasst wurde, das Arbeitslager in Plaszow zu schließen und alle Häftlinge nach Auschwitz geschickt werden sollten, nutzte Oskar Schindler seine Kontakte, um eine Rüstungsfabrik in Brünnlitz in Tschechien zu erwerben, um seine Arbeiter dorthin umzusiedeln und sie somit vor dem Konzentrationslager zu retten. Dabei entstand Schindlers Liste.

Knapp 50 Jahre später verwendete Steven Spielberg diese als Titel für seinen Spielfilm, durch den Oskar Schindler international bekannt wurde.

Was aber war mit Emilie Schindler, die in Spielbergs Film weitgehend unberücksichtigt bleibt? Als Biografin und Nachlassverwalterin der Schindlers ist es Frau Rosenberg ein Anliegen, in ihren Vorträgen das Verhältnis von Fiktion und Realität in dem Film „Schindlers Liste“ klar herauszustellen und insbesondere auch die bedeutende Rolle Emilie Schindlers bei der Rettung der Juden aufzuzeigen.

Vom Fachbereich Geschichte möchten wir uns bei Frau Professor Rosenberg bedanken, die mit ihrer freundlichen Art in sehr ansprechender Weise unseren Schülerinnen und Schülern nicht nur einen Einblick in das Leben und Wirken der Schindlers vermittelt hat, sondern in ihren Vorträgen auch zum Nachdenken anregte.