17.01.2018
Kategorie: Sozialkunde, Presseschau, Startseite
Von: eingestellt von S. Jaqui

Mutti wird braun


Kusel: Chawwerusch Theater zeigt vor Gymnasiasten anti-rassistisches Stück

Von Daniel Bonenberger

 

Was darf man sagen? Was geht zu weit? Die Grenzen verschwimmen häufig. „Das Stück ,Braun werden‘ soll zeigen, dass vermeintlich harmlose Aussagen schnell in rassistische Äußerungen und Ansichten umschlagen können“, erläutert Jürgen Eck vom Chawwerusch Theater aus Herxheim die Intention des Bühnenstückes, das gestern im Horst-Eckel-Haus für mehrere Schulklassen des Siebenpfeiffer-Gymnasiums aufgeführt wurde.

Das bis an die Schmerzgrenze des noch vertretbaren Humors reichende Bühnenstück erzählt von Konrad, der noch immer im Hotel Mama wohnt und nicht daran denkt auszuziehen. Deswegen verschiebt er seine Wohnungssuche immer wieder auf morgen. Mutti ist darüber glücklich, solange es dem Jungen nur gut geht. Die beiden verbindet eine schräge Mutter-Sohn-Beziehung, denn Konrad ist der typische Stubenhocker und „Mutti“ ist überfürsorglich. Sie selbst hat keine großen Ansprüche an das Leben, sie hat nur einen großen Traum: Ein Solarium, für das sie eisern spart. Ihr größter Wunsch ist es nämlich, braun zu werden – was ihr im Laufe des Stückes auch gelingt, nur eben anders als gedacht. Schulleiterin Angelika Gröneveld-Olthoff meint, das Stücke passe gut zum Konzept „Schule ohne Rassismus“. Es seien viele kleine Maßnahmen wie diese, die dazu beitrügen, dass die Leute nicht „braun werden“.

Bei „Mutti“ gibt Konrads neue Freundin Bea den Ausschlag, die zunächst wie ein wahrer Schwiegermutter-Traum erscheint. Die beiden Frauen verstehen sich hervorragend. Doch dann lässt Bea immer häufiger seltsame Anspielungen fallen, die stark auf eine fremdenfeindliche Einstellung hindeuten. Es fallen Ausdrücke wie „Wer betrügt, der fliegt“, „Höcke, Höcke, Höcke, Unkraut verrecke“ und „Der Neger ist weg, das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. „Mutti“ ist über diese Äußerungen erstaunt und weiß nicht, ob sie sich womöglich verhört haben könnte. Hat Bea das wirklich gesagt?

Sie beschließt, besser wegzuhören. Denn was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Doch nach und nach stimmen auch Konrad und seine Mutter in den Chor ein und lassen sich vom Hass und der Hetze der schönen Bea anstecken. Nur Konrad entdeckt eines Tages das dunkle Gemüt seiner Geliebten und will sie aus dem Haus haben. Aber „Mutti“ ist dagegen. Schließlich hat ihr Konrad endlich eine Frau gefunden und Familie sei schließlich alles. Nachdem die Äußerungen immer fremdenfeindlicher werden und die rechten Gesinnungen Beas nicht mehr zu übersehen sind, wagt Konrad den Absprung und zieht, zur Freude von „Mutti“, aus. Sie ist am Ende doch noch „braun geworden“ – wenn auch nicht vom heiß ersehnten Solarium.

Der Dramaturg des Bühnenstückes, Michael Bauer, hat das Werk bewusst überhöht angelegt, um die Absurdität des Alltagsrassismus in Deutschland aufzuzeigen: „Das Stück wirkt wie ein abgedrehtes Märchen. Und in den Köpfen rechtsradikaler Vordenker existieren tatsächlich märchenhafte Hirngespinste. Sie haben Sehnsucht nach einer romantischen, einfachen Welt, in der durchweg blonde Menschen durch deutsche Wälder und Wiesen hüpfen.“ Sie wollten die Welt „einfach rein“ haben. Das sei zwar wirklich zum Lachen, könne aber durchaus gefährlich werden.

Die Schüler waren vom Theaterstück sehr angetan, auch wenn einige Probleme hatten, dem Fortgang der Ereignisse zu folgen. „Es war schauspielerisch eine ganz tolle Leistung, hat mir sehr gut gefallen“, sagt die 17-jährige Jasmin Barz. „Der Rassismus wurde deutlich erkennbar, auch wenn er lustig verpackt war.“ Cosma Becker, ebenfalls 17 Jahre alt, fand es besonders überzeugend, wie anfangs scheinbar noch harmlose Witze über Ausländer sich in eine ernsthafte Fremdenfeindlichkeit verwandeln können. Das sei in dem Stück sehr deutlich zum Ausdruck gekommen. Luca Steinmann fand vor allem die überspitzte Darstellung des Fremdenhasses schauspielerisch sehr überzeugend umgesetzt. „Ich fand die Schauspieler klasse und das Stück war auch sehr lustig, aber ich hatte echt Probleme, die Story zu kapieren“, sagt er und andere stimmen zu. Denn da ging es ganz schön rasant her in dem Chawwerusch-Stück, das mit Förderung des Kriminalpräventiven Rats des Landes Rheinland-Pfalz sowie des Kultusministeriums ins Kuseler Horst-Eckel-Haus gebracht wurde.

Quelle

Ausgabe Die Rheinpfalz Westricher Rundschau - Nr. 14
Datum Mittwoch, den 17. Januar 2018
Seite 15